Palettentausch: Mehr Klarheit an der Rampe

Palettentausch: Mehr Klarheit an der Rampe
 

Wann ist eine Palette nicht mehr tauschfähig? Kann sie noch für das Hochregallager verwendet werden? Ist sie maschinengängig und fördertauglich? Am Wareneingang bleibt keine Zeit für lange Fragen, hier sind schnelle Entscheidungen gefragt. Industrie, Handel, Logistik und Palettendienstleister haben deshalb gemeinsam mit GS1 Germany die bereits 2011 entwickelte Anwendungsempfehlung und die Qualitätskriterien zum Palettentausch konkreter an die aktuellen Anforderungen angepasst. Ein Poster mit den vier erarbeiteten Qualitätsklassen Neu, A, B, und C unterstützt die schnelle Sortierung der Paletten an der Rampe.

„In der Praxis hat sich gezeigt, dass die bisherigen Qualitätskriterien trotz aller vorherigen Abstimmungen nicht immer den Nagel auf den Kopf trafen“, resümiert Dr. Michael Wulst, Edeka Vorstand IT und Logistik. „Wir haben daher den Anforderungen der Branche Rechnung getragen und mit den überarbeiteten Qualitätskriterien und Empfehlungen eine noch breitere Basis für eine effiziente Palettenbewirtschaftung geschaffen“, so Dr. Wulst weiter.

 

Fairer Palettentausch: Das Ziel rückt näher

Eine der wichtigsten Änderungen ist die Akzeptanz von Anhaftungen an einer gebrauchsfähigen Palette. Zuvor wurden zum Beispiel Europaletten mit einer Anhaftung, etwa einem Etikett, als nicht mehr gebrauchsfähig aussortiert.

„Rund 400 Millionen Paletten werden jährlich in Deutschland bewegt. Da braucht es kooperative Ansätze, wie die Standardisierung des Palettentauschs, um die gemeinsame Verständigung zu stärken und Bewegung in die Prozesse zu bringen“ begrüßt Oliver Wittig, Head of Logistics (Germany/Switzerland) des Unternehmensbereichs Laundry & Home Care von Henkel, die Lösung.

„Mit den standardisierten Qualitätsbegriffen und den klar abgestimmte Spielregeln sind wir dem Ziel einer kooperativen, transparenten Palettenbewirtschaftung in Deutschland einen entscheidenden Schritt näher gerückt. An diesen Erfolg knüpfen wir an und entwickeln die Lösung kontinuierlich weiter“ erklärt Thomas Niebur, Leiter Competence Center Mehrwegtransportverpackungen (CC MTV) bei GS1 Germany.

Poster und Empfehlung herunterladen

Interessierte Unternehmen können sich das Palettenposter sowie eine Tabelle mit den Merkmalen zur Klassifizierung einer Europalette kostenlos unter gs1-germany.de herunterladen. Hier steht außerdem die Anwendungsempfehlung „Neue Wege der kooperativen Palettenbewirtschaftung“ zur Verfügung.

Über die genauen Inhalte der Anwendungsempfehlung und ihre praxisorientierte Umsetzung informiert das zweitägige Seminar „Palettenqualität in der Praxis“. Dazu gehört unter anderem ein Praxistag bei einem Hersteller- und Reparaturbetrieb, bei dem die Teilnehmer zum Beispiel die Sortierung von Paletten nach Qualitätskriterien vornehmen. Das Seminar findet im Februar 2015 in Kooperation mit der EPAL Academy statt.

 

Hintergrund:

Die Europalette im Format 800 x 1200 mm dominiert den Kreislauf, in dem die Beteiligten aus Industrie, Handel und Logistik ihre Paletten tauschen, sodass es zu einer ständigen Rotation der Ladungsträger kommt. Allgegenwärtig war jedoch auch die Kritik am System: Nicht ausreichende gesetzliche Bestimmungen und fehlende abgestimmte Standardprozesse führten beim Palettentausch jahrzehntelang zu Konflikten zwischen den Beteiligten bezüglich der Qualität sowie der Kostenverteilung. Die 2011 von der Branche unter dem Dach von GS1 Germany entwickelte Anwendungsempfehlung verdeutlicht neben den verschiedenen Qualitätsaspekten Stärken und Schwächen von verschiedenen Palettenabwicklungssystemen, wie Palettenschein, Kauf und Verkauf oder Tausch im offenen Pool. Unternehmen finden darin außerdem Hilfe zu Fragen über Vertragsvereinbarungen, zu Rechten und Pflichten im Rahmen der Palettenbewirtschaftung oder auch zum Ausgleich von Palettenschulden.